Zuchtbericht: Anomalochromis thomasi

Der Thomas Prachtbarsch ist ein relativ kleiner Buntbarsch, der in Westafrika beheimatet ist. Dieser Barsch ist hervorragend zur Zucht, auch für Anfänger ohne Zuchterfahrung, geeignet. Er ist vergleichsweise friedlich, verwüstet die Beckeneinrichtung nicht und verschont die Pflanzen.
Zur Zucht genügt bereits ein 60 Liter Becken. Der Bodengrund sollte aus feinem(nicht scharfkantigem) Kies bestehen, da die Barsche ihre Jungen nach dem Schlüpfen in vorher ausgehobene Mulden befördern. Außerdem wird noch ein Stein oder eine Wurzel mit glatter Oberfläche benötigt, der zur Eiablage dient. Eine
Bepflanzung des Beckens ist nicht notwendig, aber zu empfehlen, da sich die Fische in bepflanzten Becken erfahrungsgemäß wohler fühlen und auch intensivere Farben zeigen. Die Wassertemperatur spielt anscheinend keine große Rolle. Die Zucht glückte bei Temperaturen zwischen 22° und 27° Grad Celsius. Das Wasser muß nicht besonders aufbereitet werden. Niederschelderhütter Leitungswasser tut es.

Dem folgendem Zuchtbericht liegen 7 genau protokollierte, sowie etwa 30 weitere Paarungen, die nur teilweise beobachtet wurden, zugrunde.

Bevor es zur eigentlichen Paarung kommt balzen die Fische einige Tage. Mit gespreizten Flossen und ruckartigen Bewegungen umkreist sich das Paar. Die Partner berühren sich dabei mit dem Maul gelegentlich in der Genitalgegend. Die Färbung der Fische intensiviert sich nun zusehends. Um einen Stein, eine Wurzel oder seltener ein großes Pflanzenblatt wird ein Revier(im Durchmesser etwa 25 Zentimeter) besetzt, daß auch schon während der Balz gegen Eindringlinge verteidigt wird.
Die ausgewählte Stelle für die Eiablage wird von beiden Fischen geputzt. Bereits meist Stunden vor dem Ablaichen tritt bei dem Weibchen deutlich sichtbar die sogenannte Genitalpapille(eine etwa 2 mm lange Ausstülpung) hervor. Je näher die Paarung rückt, um so häufiger steht jetzt das Männchen mit dem Kopf zum Boden gerichtet in der Nähe der Ablagestelle und vollführt dabei zitternde Bewegungen.
Dann beginnt das Weibchen mit der Eiablage. Es gleitet langsam über die Ablagestelle und legt dabei in einer Reihe etwa 10-20 Eier ab. Anschließend schwimmt das Männchen über die Eier und befruchtet sie. So wird nun Reihe an Reihe gelegt. Das Ganze dauert je nach Größe des Geleges(80-360 Eier) etwa eine Stunde. Die Eier sind weißlich bis cremefarben.
In der Regel befindet sich in den folgenden Tagen das Weibchen unmittelbar über den Eiern, bewacht sie, fächert mit den Brustflossen Frischwasser zu und säubert sie hin und wieder. Das Männchen sichert das umliegende Revier. Ab und zu, besonders zu den Fütterungszeiten, werden die Rollen getauscht.
Nach 2 Tagen(48-50 Stunden) schlüpfen die Jungfische. Beide Elternteile saugen den Nachwuchs mit dem Maul aus den Eihüllen und spucken die Kleinen in eine vorbereitete Mulde im Kies. Nun zeigt sich ein ähnliches Bild wie vorher bei den Eiern. Das Weibchen bewacht die Mulde, das Männchen die unmittelbare Umgebung. In den folgenden Tagen werden die Jungfische meist mehrmals umgebettet, daß heißt in eine andere Mulde gebracht(maximale beobachtete Muldenzahl: 4, maximale Umbettungszahl: 9).
Weitere 4 Tage(95-104 Stunden) nach dem Schlüpfen beginnen die kleinen Fische frei zu schwimmen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Farbintensität bei den Eltern am größten. Besonders das Weibchen ist nun sehr prächtig gefärbt. Auf dunkelblau-violettem bis schwarzem Grund treten die türkisen Schuppenglanzpunkte und der goldene Kiemendeckelglanzfleck nun strahlend hervor.
Hat die Paarung im Zuchtbecken, also ohne andere Mitbewohner stattgefunden, durchstreifen die Jungfische nun im dichten Schwarm zusammen mit ihren Eltern das Aquarium. Die Eltertiere pflegen ihre Jungen noch etwa 4-6 Wochen, daß heißt sie halten den Schwarm immer dicht beisammen. Abtrünnige werden ins Maul genommen und wieder zu den Anderen zurückgebracht.

Im Gesellschaftsbecken hingegen bietet sich ein etwas anderes Bild. Während das Gelege und die noch nicht schwimmfähigen Jungfische noch recht einfach zu bewachen waren, so ist dies nun um ein vielfaches schwieriger, je nach Fischbesatz des Beckens fast unmöglich. Nähert sich ein potentieller Feind, so geben die Eltern den Jungtieren durch bestimmte Bewegungen Signale, worauf diese sich sofort in Bodennähe begeben und dort verharren, während die Eltern den Angreifer vertreiben. Im Gesellschaftsbecken kommen die kleinen Fische quasi kaum zum Schwimmen und befinden sich mehr oder weniger immer am selben Ort im Becken.
Sowohl die Zucht im Gesellschaftsbecken, wie auch die im reinen Zuchtbecken hat ihren Reiz. Im Zuchtbecken hat man die Gewähr, daß man praktisch alle Jungfische großziehen kann und man bekommt das imposante Bild des umherziehenden Jungfischschwarmes geboten. Im Gesellschaftsaquarium hingegen sieht man die komplette Bandbreite der Verhaltensweisen, wie sie wohl auch in freier Natur stattfinden. Selbstverständlich muß man hierbei mit einem hohen, unter Umständen dem ganzen Verlust der Jungfische rechnen.

Nun noch einige ergänzende Hinweise zur Aufzucht der Jungfische. Die Jungfische wie auch die ausgewachsenen Tiere dieser Art kann man als äußerst pflegeleicht bezeichnen. Dies sollte einen aber nicht dazu verleiten sich die Pflege leicht zu machen. Es ist zwar möglich die Jungfische nur mit Flockenfutter großzuziehen. Besser ist es jedoch ein möglichst breites Futtersortiment zu bieten. Abwechselungsreich ernährte Jungfische gedeihen wesentlich besser, zeigen intensivere Farben, wachsen schneller und machen einen allgemein vitaleren Eindruck.
Für die ersten Tage des Freischwimmens eignen sich sogenannte Infusorien (beispielsweise Pantoffeltierchen, Rädertierchen), sowie hart gekochtes Eigelb (etwa eine Messerspitze in einem Eierbecher mit Wasser auflösen), nach ein paar weiteren Tagen dann frisch geschlüpfte Nauphlien von Salinenenkrebsen, dann das übliche Frostfutter (alle Arten von Mückenlarven, Wasserflöhe usw.), später dann auch Bachflohkrebse, Regenwürmer und Kaulquappen. Alles natürlich in einer zu bewältigenden Größe.
Nach etwa 4 - 6 Wochen muß die Fischbrut dann in größere Behälter überführt werden, da sonst das Wachstum stagniert (auch häufiger Wasserwechsel ist zu empfehlen).

Abschließend noch einige kleine beobachtete Kuriositäten im Fortpflanzungsverhalten dieser Barsche.
Mehrmals wurde beobachtet, daß Weibchen Eier ablegten ohne das ein Männchen diese befruchtete. Die Weibchen pflegten die Eier wie schon beschrieben etwa 2 Tage. Anschließend haben sie die Eier aufgefressen (kommt auch bei gewöhnlichen Paarungen schon einmal vor). Zum Laichansatz scheint allerdings die Anwesenheit männlicher Artgenossen im Becken erforderlich zu sein. Einmal wurde beobachtet, daß 2 Weibchen "sich fortpflanzten". Das eine Weibchen legte die Eier ab, das Andere übernahm die Rolle eines Männchens (teilweise rituell). Auch hier wurden die Eier aufgefressen.
Außerdem gelang es mehrmals das Gelege mitsamt den Elterntieren in ein anderes Aquarium zu verfrachten. Die Entwicklung der Jungfische nahm ohne Komplikationen ihren gewohnten Lauf.

Als problematischer hingegen stellte sich eine scheinbar geringere Beeinträchtigung dar. Versetzt man das Gelege innerhalb eines Beckens, haben die Eltern Probleme ihre Brut wieder zu finden. Sie schwimmen aufgeregt im Becken hin und her und kehren dann immer wieder schnell zu der Stelle zurück, an der sich das Gelege vorher befand. Nach einer halben Stunde wurde das Experiment abgebrochen, da die Eltern ihre Eier noch immer nicht gefunden hatten. Daraus kann man unter Vorbehalt schließen, daß die Barsche sich nicht den Gegenstand auf dem sie die Eier abgelegt haben einprägen, sondern eher eine Fixierung auf den Ort stattfindet.

So, daß soll nun genug sein. Um mehr über das interessante Verhalten dieser Barschart zu erfahren, probieren Sie es doch einfach mal selbst aus.

Ideen, Fragen & Anregungen

Kommentar von Renato | 15.06.2009

Ich habe absolut keine Erfahrung mit diesen Fischchen und ich hoffe jemand von euch kann mit Mut zusprechen.

Es scheinen Männlein und Weiblein zu sein.
Das Männlein jagt das Weiblein ununterbrochen.
Gestern Abend aber hat das Weibchen gelaicht! Das Männlein ist auch gleich hinterher und hat die Eier befruchtet.
Als das W. sich dann wieder genähert hat hat das M. sie wieder verjagt und die Eier gefressen und ich hab fast angefangen zu heulen.

Das Weibchen hat dann immer wieder versucht auf dem gleichen Blatt zu laichen aber der Macho verjagt die ewig.

HILFE! was sollte ich eurer Meinung nach tun?
ist das Männchen warscheinlich doch ein Weibchen?


Antwort: Hallo! Bei vielen Barscharten ist das so das insbesondere junge Tiere keine Erfahrung haben und die ersten Gelege meist nichts werden. Manchmal werden die Eier nicht befruchtet oder die Tiere sind sich nicht einig mit der Brutpflege. Ich denke das wird sich noch geben. Falls nicht ist es ratsam, nach der Eiablage sofern diese befruchtet sind, das störende Elterntier aus dem Becken zu setzen. Es reicht meist aus wenn sich ein Elterntier um das Gelege kümmert. Viel Glück!

Kommentar von Renato | 15.06.2009

Ich habe absolut keine Erfahrung mit diesen Fischchen und ich hoffe jemand von euch kann mit Mut zusprechen.

Es scheinen Männlein und Weiblein zu sein.
Das Männlein jagt das Weiblein ununterbrochen.
Gestern Abend aber hat das Weibchen gelaicht! Das Männlein ist auch gleich hinterher und hat die Eier befruchtet.
Als das W. sich dann wieder genähert hat hat das M. sie wieder verjagt und die Eier gefressen und ich hab fast angefangen zu heulen.

Das Weibchen hat dann immer wieder versucht auf dem gleichen Blatt zu laichen aber der Macho verjagt die ewig.

HILFE! was sollte ich eurer Meinung nach tun?

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