Skalarzucht im großen Stil
Schon mit 14 Jahren beschäftigte ich mich mit der professionellen Zucht von Zierfischen, insbesondere dem Skalar. Meine Erfahrungen zu diesem Fisch möchte ich einmal in diesem Bericht darlegen.
1994 fing ich an mit einem guten Freund, Thomas Arndt, Skalare in größerer Stückzahl zu züchten. Wir suchten im Siegerland aus sämtlichen Zoogeschäften, die damals für uns schönsten Alttiere aus. Diese versuchten wir dann nach Kriterien wie Farbe, Zeichnung, Flossenwuchs und Vitalität miteinander zu verpaaren.
Unsere Zuchtaquarien umfaßten 125 Liter (50x50x50 cm). Die Becken waren stets bis auf den Laichkegel ohne jeglichen Inhalt. In diese Würfelaquarien setzen wir meist 3 Einzeltiere in der Hoffnung auf eine baldige Paarbildung. Die Tiere, welche zusammen gesetzt wurden, hatten wir vorher gründlich auf Verhalten und Körperbau studiert, so daß wir fast immer bei der Bestimmung des Geschlechts richtig lagen.
Noch heute habe ich daher einen "Blick" dafür und kann Skalare mit einer sicherlich 90% -igen Trefferquote auseinander halten.
Skalare sind sehr temperamentvoll - Die Rangfolge der jeweils 3 zusammengewürfelten Tiere war meist schon innerhalb weniger Stunden "ausgescheucht". Spätestens nach 2 bis 3 Tagen konnten wir dann das Einzeltier von dem neu gebildeten, unerfahrenen Paar trennen. Der erste Schritt war also gelungen.
Diese neuen, oft junge und unerfahrenen Paare wurden dann in oben genannten Zuchtwürfeln bei einer Wassertemperatur von 29 - 30°C in Leitungswasser (pH 6, und einer Kochsalz Zugabe von bis zu 250 g/Zuchtwürfel angesetzt).
So manch einer wird sicherlich nun denken, was das Salz wohl im Becken zu suchen hatte. Die Zuchtmethode mit Salzeinsatz entstand sicherlich irgendwie bei uns durch Zufall. Wir konnten aber feststellen, daß sich diese Methode für uns am erfolgreichsten zeigte. An dieser Stelle muß ich allerdings anmerken, daß unser damaliges Wasser fast gar keine Mineralien enthielt. Ein Überprüfen der Gesamt- und Karbonathärte war sinnlos - NICHTS!!!
(Unser Wasser ist Felsquellwasser aus Schiefer und Quarzgestein.)
Auch die desinfizierende Eigenschaft von Kochsalz trug sicher dazu bei, daß so gut wie kein Ei kaputt ging - es sei denn das Gelege wurde stellenweise oder gar nicht befruchtet. Ich habe mir sehr oft Gedanken darüber gemacht, inwiefern die durch die reichliche Salzzugabe erhöhte Leitfähigkeit des Zuchtwassers das Gelege beeinflußt werden könnte. Das gleiche Prinzip bei Diskus würde zu einer Katastrophe führen. Garantiert kaum ein Ei wurde das überleben.
Die Eier hätten eigentlich immer kaputt gehen müssen, da durch die Osmoseprozesse im Aquarienwasser ein stetiger Salz/Wasser - Ausgleich stattfindet. Die Flüssigkeit aus dem Ei würde eigentlich durch die Eimembran herausgezogen da der Salzgehalt im Ei deutlich niedriger ist wie im Wasser. Das ist eine naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeit - Ausnahmen gibt es da keine.
Aus der wissenschaftlichen Sichtweise heraus müßten unseren damaligen Beobachtungen eigentlich reinste Utopie sein - aber es hat immer funktioniert. Diese Frage konnte ich mir bis zum heutigen Tage nicht beantworten.
Nachdem die Voraussetzungen für die Zucht erfüllt waren, folgte die Zeit des Wartens. Tagtäglich hofften wir auf ablaichende Paare. Am produktivsten zeigten sich die Skalare wenn es regnete - vor allem im Herbst und Winter. Die Tiere werden scheinbar von den Tiefdruckzonen stimuliert. In den Sommermonaten mußten wir bei manchen Paaren teilweise viele Wochen warten, bis endlich der Laichkegel mit bis zu 500 Eiern voll war. Gut harmonierende Pärchen befächelten entweder gleichzeitig oder abwechselnd das Gelege um die Eier optimal mit Sauerstoff zu versorgen. Weise Eier wurden von den Fischen behutsam heraus gepickt.
Bei der Temperatur von 29°C schlüpften die Larven schon nach knapp 60 Stunden. Einige unserer Paare bemühten sich sehr eifrig um die Brut. Mehrmals wurden die kleinen Babies vorsichtig mit dem Maul umgesetzt.
Es kam vor, daß unerfahrene Tiere bedingt durch Streitereien oder unerklärbaren Gründen das Gelege oder die geschlüpfte Brut auffressen wollten. In diesem Fall fingen wir, sofern rechtzeitig bemerkt, das "böse" Tier heraus. Nun mußte die Brut von einem Alttier betreut werden, was aber auch kein Problem darstellte.
Es gab Zeiten wo die Nachfrage nach jungen Skalaren höher war als das Angebot. So haben wir oft erfahrene Männchen nach und nach mit mehreren Weibchen verpaart. So kamen im günstigsten Fall bei einem "Bock" und 3-4 "Weibern" in 2 Wochen knapp 1000 Jungfische zustande.
Aber nun zurück zur Aufzucht. Die geschlüpften Jungfische haben wir damals bis zu sechs Wochen lang mit frisch geschlüpften Artemia-Nauplien gefüttert. 200 Winzlinge erhielten pro Tag eine Sprudelflasche mit einem Teelöffel Artemiaeiern. Diese Sprudelflaschen haben wir in das warme Aquarium gehangen, so daß spätestens nach 24 Stunden die Artemien geschlüpft waren und auf einen Schlag die ganze Flasche samt Wasser und Eierschalen ins Zuchtbecken gekippt wurden.
Auch an dieser Stelle mag nun so mancher von dieser ungewöhnlichen Umgangsmethode mit den Artemien überrascht sein, aber die "dreckige" Artemiabrühe hat in all den Jahren nie einem einzigen Skalar geschadet - im Gegenteil!
Sofern sich das Pärchen oder im seltenen Fall das einzelne Tier gut um die Brut kümmerte, ließen wir die Jungen bis zu 4 Wochen bei den Alttieren. Unsere Erfahrung zeigte, daß Skalare, die zu früh von den Eltern getrennt wurden, oft für die Zucht unbrauchbar waren. Der Brutpflegeinstinkt war nicht so ausgeprägt als bei den bis zu 4 Wochen behüteten Jungfischen. Das Züchten mit als Jungfischen zu früh getrennten Tieren war teilweise die reinste Katastrophe!!!
Ab der 4. Woche fütterten wir mehrmals täglich zerschnittene rote Mückenlarven als Zusatzfutter. Man konnte den Tieren beim Wachsen zusehen - spätestens nach acht Wochen hatten die Tiere die Verkaufsgröße (Körper = 10 Pf-Stück-Größe + Flossen) erreicht.
Voraussetzung für die erfolgreiche Aufzucht waren viele Stunden Mühe und Sorgfalt beim Umgang und der Versorgung der Tiere. Täglich saugten wir den Dreck in den Becken ab und wechselten einen Teil des Wassers. Durch das tägliche Hineinschütten des ganzen Artemia-Aufzuchtwassers samt Nauplien, bliebt der Salzgehalt stets in einer nicht mehr meßbaren Höhe.
Mit Schrecken erinnere ich mich daran zurück, als die ersten Pigeon Blood Diskus in Deutschland auf den Markt kamen. Die aus Asien stets beim Import dieser neuen Farbvariante mitgebrachte neue Krankheit, die "Diskusseuche" hatte aufgrund meiner heutigen Fachkenntnis nicht nur Diskus befallen, sondern auch Skalare.
Das Unglück passierte: In einer Zoohandlung im Westerwaldkreis erstanden wir einige Skalare, von denen wir uns interessante Einkreuzungen versprachen. Nichtsahnend hatten wir diese in die Hälterungsanlage gesetzt. Die nächsten Tage bereiteten uns ein Bild des Grauens und purer Verzweiflung. Unsere kompletten Zuchtstämme samt allen Skalaren starben elends an dieser uns damals völlig unbekannten Krankheit. Jahre der Aufopferung und Leidenschaft gingen mit diesen Tagen zu Ende.
Wenn ich beim Schreiben dieses Textes an die Tiere denke, in deren Qualität ich sie in all den Jahren (auch als Inhaber von Fish and More) nie wieder gesehen habe, kommen mir Tränen in die Augen - was würde ich geben für auch nur einige dieser damals in unserem Besitz gewesenen Tiere!!!
Seit dem habe ich nie wieder einen Skalar zur Zucht angesetzt. Sollte dennoch der Tag kommen an denen ich durch Zufall in meinem Geschäft irgendwie an vernünftige Skalare ran komme, so werde ich unter der Voraussetzung das die Tiere von optimaler Qualität sind, diese in meiner heutigen Lagerabteilung einquartieren.
Ich muß gestehen, daß seit dem uns das damals passiert ist, ich einen ABSOLUTEN HASS AUF ASIENDISKUS UND -SKALARE HABE!!! Ich denke, daß Sie mir an dieser Stelle im Hinblick auf meine Erlebnisse diese Meinungsäußerung nicht verübeln werden.
Abschließend möchte ich Ihnen den Skalar noch einmal als imposanten Aquarienpflegling ans Herz legen. Es wäre schön, wenn mal wieder mehr Aquarianer nicht nur diesen Fisch nachzüchten würden. Aquarienvereine oder Privatzüchter können oft sehr schöne, gesunde Tiere und noch dazu den einen oder anderen praktischen Tipp noch gratis dabei, abgeben. Auch ich stehe Ihnen für Fragen gerne mit guten Antworten zur Verfügung.
Dieser Text wurde vor einigen Jahren von Markus Gerhardus verfasst.
Ideen, Fragen & Anregungen
Vielen Dank für Ihre Mühe.
Mit freundlichem Gruß
W. Küttner
Antwort: Hallo Herr Küttner! Das ist sehr unterschiedlich. Ich habe schon Skalare gehabt die um die 10 Jahre alt waren. Der Durchschnitt liegt aber meist eher darunter. Dies liegt vor allem daran, dass viele Tiere heut zu Tage extrem überzüchtet sind. Es freut mich das Ihnen der Artikel gefällt! Gruß Markus Gerhardus
Antwort: Es freut uns zu hören das der Artikel Ihnen geholfen hat. Man muss jedoch beachten, dass die Sache mit dem Salz nicht in jeder Region funktioniert. Das hängt immer vom Leitungswasser ab.