Teichräuber - Wo sind meine Fische hin?
Der folgende Bericht erzählt von Geschichten, die mir selbst und einigen meiner Kunden hier bei uns im Siegerland passiert sind.
Mein eigener Gartenteich, 1990 angelegt, existierte schon viele Jahre. Selbst die Tatsache, daß dieser fast direkt an der Straße liegt, machte meiner Familie und mir nie Sorgen darüber, daß man uns evtl. einmal Fische stehlen könnte...
Es war Ende der 90er Jahre: Eines Tages stand ein großer grauer Vogel bei uns zuhause am Gartenteich. Ein Graureiher. Wir machten uns zunächst keine Gedanken darüber, was dieser wohl bei uns wollte. Ich meine sogar, daß ich fasziniert von diesem herrlichen Vogel war. Doch die nächsten Wochen änderten meine Meinung. Der Vogel kam immer wieder - meist in der Morgendämmerung oder abends sehr spät. Ich stellte fest, daß mir einige Fische fehlten. Mein erster Gedanke war ungefähr: "So ein Mistvieh! Wenn ich den kriege..."
Auch von anderen Teichliebhabern aus meinem Ort hörte ich Schreckensmeldungen von leer gefressenen Garten- und Forellenteichen. Was nun? Ich informierte mich über diese Vögel und stellte fest, daß diese nie im Wasser landen, sondern auf der Wiese, also auf Land. Sie schreiten langsam, immer auf der Furcht von Land aus ins flache Wasser. Meist 10-30 cm tiefe Flachwasserzonen in Gartenteichen bieten dem Graureiher optimale Standflächen, von denen diese den Fischen auflauern können.
Daher sicherte ich meinen Teich wie folgt ab: Die Stufenform meines Teiches bot den Reihern nur auf der ersten Stufe (Wassertiefe 20cm) die Möglichkeit, sich in diesen zu begeben. Diese Stufen sind etwa 25-35 cm breit. Darüber spannte ich einen im Baumarkt erstandenen mit Kunststoff ummantelten Maschendraht. Dies bot den Pflanzen die Möglichkeit, hindurch zu wachsen. Der optische Anblick diese Schutzes blieb noch im Rahmen der Erträglichkeit.
Einige Leute spannten Netze über den Teich, aber das kam für mich nicht in Frage, da ich mein Biotop nicht durch ein solches verschandeln wollte.
In den letzten Jahren haben sich die Graureiher an der Sieg enorm vermehrt, so daß diese dort nicht mehr genügend Nahrung finden können und daher immer weiter in die Ortschaften hineinfliegen und dort über die Teiche herfallen. Manchmal habe ich den Eindruck, daß die Graureiher einfach zu faul sind, sich Fische in der Sieg heraus zu picken. Laut einigen Anglern muß diese nämlich über eine reichlichen Fischbestand verfügen. Ein kleiner Teich ist doch einfach bequemer...
Der Graureiher steht unter Artenschutz und darf daher nicht abgeschossen werden. Wenn ich aber mal so die Gedanken vieler Teichliebhaber mit denen ich schon über dieses Thema gesprochen habe, zusammenfasse und nur einige Worte zitieren darf: "Abmurksen, Hals umdrehen, abknallen, kaputt schlagen..." sind Wörter, die in den zahlreichen Gesprächen gefallen sind. Diese Menschen haben sicherlich genug Anlaß dazu gehabt, eine solche Abneigung gegen diese Vögel zu entwickeln. Sicherlich verständlich, wenn man bedenkt, daß manche Teichfische, z.B. Kois recht viel Geld kosten und der Schaden für Teichliebhaber dann oft nach einem Reiherbesuch recht hoch ist.
Ich möchte an dieser Stelle ganz ausdrücklich davor warnen, sich einen Reiherattrappe an den Teich zu stellen, in dem Glaube, daß diese dann den eigenen Teich verschonen. Nach meinen eigenen Beobachtungen (wir wohnen sehr dicht am Ufer der Sieg) habe ich gesehen wie auf den Feuchtwiesen um die Sieg herum und auch in dieser selbst, sehr oft mehrere Fischreiher nebeneinander standen. Dies wiederlegt ganz deutlich die Behauptung vieler Leute, Graureiher seien Einzelgänger und würden wenn diese einen anderen Reiher (Attrappe) am Teich sehen, diesen nicht anfliegen. Das ist meiner Meinung nach und diese hat sich bestätigt, absoluter Unsinn!
Daher rate ich jedem Kunststoffreiher-Besitzer, seinen Plastikgeier in der Mülltonne zu parken und nicht am Teichrand.
Das Ökosystem "Sieg"
bietet nicht nur vielen Wassertieren, sondern auch Räubern genügend Zuflucht. Der sehr seltene Eisvogel nistet stellenweise in den Gebieten um unseren Fluß herum und verzehrt sehr gerne auch kleine Fische. Bedingt durch seine Größe (er ist kaum größer als eine Meise) kann er allerdings keinen großen Schaden am Gartenteich anrichten, da er höchstens mal einen kleinen Goldfisch im Sturzflug aus dem Teich schnappt.
Die Farbenpracht des Eisvogels hinterläßt beim Betrachter einen faszinierenden Eindruck, so daß man sich als Gartenteichbesitzer meist freut, wenn ein so selten gewordener Vogel das eigene Grundstück aufsucht. Vor einigen Wochen erzählte mir ein Kunde, wie jeden Winter ein Eisvogel seinen Teich besucht und dort kleine Fische herausfängt. Von Ärgernis war in unserem Gespräch nichts zu spüren. Ich hatte das Gefühl mit einem bedingt durch diese Erlebnisse von Stolz erfülltem Mann zu sprechen - denn wer hat in Deutschland schon mal diesen vom Aussterben bedrohten Vogel in der Natur gesehen, noch dazu auf dem eigenen Grundstück?
Selbst Krähen (Raben) können äußerst dreiste Kameraden sein, berichtete mir im Frühjahr ein Kunde. Dessen 5 kleine Kois wurden von großen Krähen aus dem direkt am Haus liegenden Teich heraus gefischt. Ich dachte erst an einen Witz, da ich so etwas nie zuvor gehört hatte, aber es stimmte.
Etwas ungewöhnlich und vor allem sicherlich eine Ausnahme darstellend ist folgendes Erlebnis: Ein Kunde verlor seine Teichfische durch einen Fuchs, der auf der Suche nach Futter für seine Jungtiere war. Kurzerhand sprang das Tier (mehrmals beobachtet vom Teichbesitzer) in das Wasser herein und stellte den Fischen nach.
Unsere Region ist von sehr dichtem Wald umgeben, so daß Wildtiere wie Füchse, Rehe, Wildschweine, Igel usw. sich immer wieder mal in die Ortschaften verirren. An meinem Teich hatte ich vor einigen Jahren Besuch von einem Stockentenpärchen. Eine Woche lang schwammen die zwei auf unserem Biotop - allerdings konnte ich keinen Schaden feststellen - zum Glück!
Katzen sind beliebte Haustiere und oft von Teichliebhabern gehaßte Besucher. Aus eigener Erfahrung kann ich die Leidenschaft des Angelns bei Katzen bestätigen. Man muß aber auch den natürlichen Trieb der Tiere verstehen und sollte daher keineswegs einer Katze auflauern, in der Hoffnung, dieser Schaden zuführen zu können! Wer so etwas tut ist in meinen Augen ein absoluter Unmensch, denn gerade eine Katze wird, wenn jemand dieser mit böser Absicht Schaden zuführt, oft von einer ganzen Familie vermißt.
Zum Schluß möchte ich noch über zweibeinige Fischdiebe berichten:
Vor einigen Jahren erstand ich bei einem meiner Lieferanten einen ganz goldenen großen japanischen Koi-Karpfen, den ich voller Stolz in meinen Gartenteich setzte. Nach einer Woche war dieses Tier verschwunden - geklaut! Die Größe des Tieres schloß den Raub durch einen Graureiher aus, da dieser ein Tier in der Größe von mehr als ca. 40 cm nicht hätte wegschleppen können. Ab diesem Zeitpunkt habe ich keinen all zu teuren Koi mehr in meinen eigenen Teich hinein gesetzt. Obwohl ich durch meinen eigenen Import stets an gute Tiere heran kommen kann, ist mir das Risiko zu hoch. Erst im Jahr 2002 werde ich, nachdem ich meinen Teich neu gebaut habe und das Grundstück durch Fremde nicht mehr zugänglich ist, solche Tiere einsetzen. Ich glaube ich könnte für nichts garantieren, wenn ich einen Menschen beim Raub meiner Fische ertappen würde. Garantiert hätte ich anschließend nicht geringe Kosten zu tragen (ich denke, Sie wissen was ich meine).
Sollten Sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben, so können Sie mir eine e-mail schicken. Eine Veröffentlichung auf dieser Homepage wäre evtl. möglich. Auch Bilder sind interessant.
Ich wünsche jedem Gartenteichbesitzer, daß er von jeglicher Art des Fischraubes verschont bleibt.
Dieser Bericht stammt aus dem Jahr 2001, ist aber immer noch inhaltlich aktuell.
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