Seewasseraquaristik um jeden Preis?

Es gibt kaum etwas schöneres als ein riesiges Meerwasseraquarium in einem Zoo, worin die buntesten tropischen Meeresbewohner faszinierende Korallenlanschaften bevölkern. Dem Betrachter wird allerdings in der Regel nur die Einsicht in das Aquarium geboten und selten ein Blick hinter die Kulissen. Enorme Filteranlagen, modernste Technik und ein sehr hohes Maß an Know How der Betreiber lassen diese künstlichen Unterwasserwelten sehr nahe an die tatsächlichen Lebensräume herantreten.
Alleine die Aufbereitung einer solchen Anlage ist meist wesentlich größer wie das eigentliche Becken worin sich die Fische und anderen Meeresbewohner aufhalten. Der Aufwand um ein Funktionieren eines Seewasserbiotopes zu garantieren ist enorm hoch. Vor allem bei "kleinen" Aquarien in denen die Seewasseraquaristik betrieben wird entstehen sehr häufig ernste Probleme. Sicherlich jeder Aquarianer der sich mit Salzwasser beschäftigt hat, kann eine Vielzahl von Pleiten aufzählen und hat sicherlich viel Lehrgeld zahlen müssen.

Die Problematik Seewasser in kleinem Stil zuhause zu praktizieren liegt denke ich in folgenden Ursachen:

- Die Anschaffungs- und Unterhaltskosten sind im Vergleich zum Süßwasser mindestens 3 x so hoch, so dass oft am falschen Ende gespart wird und dies irgendwann zu Lasten der Lebewesen des Aquariums geht.

- Leider werden die meisten im Handel angebotenen Seewasserfische mit Gift oder auch Sprengstoff gefangen, wobei ein sehr großer Teil bereits beim Fang stirbt. Ein weiterer Teil verendet auf dem Weg nach Europa bedingt durch die entstandenen Schädigungen. Zu wenige "hand catched" (handgefangene) Tiere bietet der Handel an. Da diese ja auch im Einkauf oft teurer sind, neigt so mancher Zoohändler auf die preiswerteren zurückzugreifen. Ich finde so etwas muss man nicht unterstützen.

- Neulinge werden nur unzureichend auf dieses Thema vorbereitet. Nicht selten bekommt man einfach etwas "angedreht", hauptsache schnell Geld verdient. Aber dies gibt es ja auch beim Süßwasser. Dennoch sollte beim Meerwasser noch intensiver beraten werden da dies noch viel schwieriger ist.

- Kleinste Fehler wie z.B. Schwermetallrückstände, falsche Medikamentenzugaben etc. enden in der Regel mit dem Verlust sämtlicher niederer Tiere und Fische.

Mein Fazit zu dieser Geschichte:

* Der Handel sollte noch viel stärker seitens der Behörden kontrolliert werden um dem Raubbau in der Seewasseraquaristik mehr Einhalt zu gebieten. Nur mit Cites-Bescheinigungen läßt sich dieses Problem nicht lösen. Hier sollte es strenge Auflagen im Interesse des Tierschutzes geben!

* Der Import von "Gift- und Dynamitfängen" sollte irgendwie unterbunden werden. Zu empfindliche Fische sollten ganz aus dem Handel verschwinden. Im optimalen Fall finde ich sollte man irgendwann nur noch Nachzuchten erhalten können. Die Aussage das dann viele Arten nicht mehr erhältlich währen, kann und darf man nicht zählen lassen. Sollen diese denn erst aussterben bevor man diese nicht mehr bekommt? Nein!

* Privatleute sollten ähnlich wie bei einigen Reptilien ebenfalls unter einer Meldepflicht gehaltener Meerestiere stehen und z.B. durch Behörden regelmäßig überprüft werden.

Ich finde das nur so auf Dauer Seewasseraquaristik Sinn machen kann. Die letzten Jahren zeigen das auch ein leichter Trend seitens der Behörden und Exportländer in diese Richtung geht. Erste vernünftige Ansätze sind zu erkennen.
Als Inhaber von Fish and More möchte ich diese Geschichten jedoch nicht unterstützen und verzichte komplett auf das Anbieten von Seewassertieren. Im Bereich der Süßwasseraquaristik gibt es finde ich ausreichende Möglichkeiten die auch in Gefangenschaft einigermaßen naturnah zu ermöglichen sind. Obwohl ich Händler bin und vom Verkauf lebe, muss ich sagen: Aquaristik nicht um jeden Preis!!!

Ich hoffe Sie wissen dies zu schätzen.

Ihr Markus Gerhardus
Fish and More

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