Das Aquarium auf dem Dachboden...
"Aquarium abzugeben - 160 Liter mit Zubehör und Filter, erst 1 Jahr alt, VB..." oder auch "... mit Fischbesatz wegen Hobbyaufgabe abzugeben...", dies ließt man fast jedes Wochenende in der Zeitung. Was steckt dahinter? Ein Umzug, gesundheitliche oder familiäre Probleme, vielleicht auch einfach Zeitmangel? Eine Frage die ich selbst und sicherlich viele engagierte Aquarianer sich immer wieder stellen. Mit diesem Thema habe ich mich die letzten Jahre sehr intensiv befasst. Die Frage warum Menschen dieses Hobby aufgeben ließ mich nach Gründen suchen - leider mit teils traurigem Ergebnis.
In vielen Gesprächen mit Kunden, Züchtern, Herstellern und ehemaligen Aquarianern ergab sich in den meisten Fällen eine Problematik, die sicherlich durch eine oft falsche oder unzureichende Beratung ausgelöst wurde. Algen- und Pflanzenprobleme, Fischsterben und trübes Wasser sind hier sicherlich die häufigst genannten Dinge gewesen. Ist die Aquaristik denn wirklich so schwer? Eine Frage die sich bestimmt viele unzufriedene Aquarianer vor dem "Becken auf den Dachboden stellen" im Kopf hatten.
Ich kann mich gut daran zurück erinnern wo ich als Jugendlicher so auf den Geschmack der Aquarienfische kam und teils selbst von so manchem Zoohändler übers Ohr gehauen wurde. Mit der Zeit hatte ich mittels Bücher und Fachzeitschriften mein Wissen aufgebessert und merkte zum Glück oft früh genug wenn irgendwas mit im Handel angebotenen Fischen nicht stimmte. Zu meiner Schulzeit investierte ich mein ganzes Gespartes in meine Aquarien, immer mit dem Ziel stets einen Schritt nach vorne zu gehen. Irgendwann züchtete ich sogar komplizierte Arten und besserte so mein Taschengeld auf das dann eh wieder für Fische drauf ging...
Ich erinnere mich daran wie ich als 14-jähriger an einen Sommertag im Jahr 1994 zum meinem "Fischkollegen" Thomas so sinngemäß sagte:"Mensch, bei den ganzen Dingen die in der Aquaristik seitens der Zoohändler falsch gemacht werden, müßte man echt einen eigenen Laden auf machen und versuchen dies besser hin zu kriegen..." Darüber hatten sich Thomas und ich oft unterhalten. Seinerzeit züchteten wir zusammen Diskus und Skalare. Unsere damalige Skalarzucht (siehe Zuchtbericht unter der Rubrik "Aquaristik, Informationen, Zierfische unter www.fishandmore.de) mit einem Stamm von einigen Zuchtpaaren und vielen Hundert Jungfischen verendete elends nachdem wir Tiere aus einem Zoogeschäft gekauft und dabei gesetzt hatten. In dem Moment hatten 2 Schüler knapp 1000 DM an Tieren verloren. So mancher hätte dann die Flinte ins Korn geworfen vor Wut und Ärger. Die Typische Aussage "Da haben Sie wohl was falsch gemacht..." wollten wir uns dann damals nicht unbedingt noch anhören und ersparten uns die Reklamation der Tiere.
Aber knapp 2 Jahre später, wuchs dann der Traum eines Schülers: Der Grundstein für Fish and More war gelegt. Mit 16 Jahren, im August 1996 machte ich mich Selbständig. Als "Markus Gerhardus Zierfischhandel- und Zucht" beginn ich meine Laufbahn als Aquaristik- und Gartenteichfachhändler. Mein Motiv war immer mein Hobby sinnvoll einzusetzen um möglichst vielen Leuten meine Kenntnisse zu vermitteln um die Zahl der Aquarianer und Gartenteichliebhaber mit viel Engagement zu steigern. Daher ärgere ich mich immer wieder wenn ich so manche Geschichte erzählt bekomme die bis hin zur Aufgabe des Hobbys wie oben beschrieben führen.
Nachfolgend möchte ich ein paar von mir gesammelte Erzählungen aufführen die ich denn "Grimm`s wundersame Welt der Zierfischmärchen" nennen möchte...
* Eine Frau aus Brachbach besitzt ein 112 Liter Aquarium. Beinahe wäre sie Opfer einer Falschberatung geworden. Man sagte ihr in einer im Kreis Altenkirchen ansässigen Zoohandlung nachdem sie ein paar schöne Fische für ihr Becken suchte: "Nehmen Sie doch Diskus. Das sind friedliche Oberflächenschwarmfische. Die sind sehr robust und für Anfänger absolut geeignet..." Diese Aussage stammte von der Frau des Geschäfsinhabers. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln. Ich klärte die Kundin erst einmal darüber auf das Diskus ohne Probleme die Größe eines kleinen Tellers erreichen können und absolut keine Oberflächenschwarmfische seien, sondern südamerikanische Barsche die man erst ab Becken von mindestens 200 Litern halten sollte. Im Hinblick auf die schwierige Ernährung und Sensibilität dieser Tiere sollte man hierfür schon etwas Erfahrung mitbringen. Diese fehlte der Frau aber und das Aquarium war ja eh zu klein. Letztendlich war die Kundin froh das sie vor einem Fehler bewahrt wurde.
* Ende 2004 fragte mich ein junger Mann nach Malawicichliden. Ich fragte ihn welche Arten er denn in seinem Becken hätte. Ich merkte das er die Arten noch nicht recht mit Namen wußte und ging mit ihm durch unsere Aquarienanlage. Dann zeigte er mir die Tiere. Es waren Yellows, Kaiserbuntbarsche, Frontosas, Rote Cichliden usw. Schnell merkte ich das hier was nicht stimmte. Das Becken des jungen Aquarianers sollte 600 Liter haben. Eigentlich ja perfekt. Bis darauf das man ihm in 2 Geschäften, in einem sogar vom Inhaber selbst in meinen Augen schlicht weg nur Unsinn erzählt hatte. Die Barsche die er verkauft hat bekommen passen von den Wasserwerten, der Ernährung, der Endgröße und vom Revierverhalten absolut nicht zusammen. Auf lange Sicht käme es hier auf jeden Fall zu Todesfällen im Aquarium. Die Yellows als Vegetarier und die anderen Arten als Fleischfresser dürfen in keinster Weise zusammen gehalten werden, da Aufwuchsfresser (Vegetarier) tierische Fette und Proteine nur schlecht verdauen können und irgendwann an Flagellaten erkranken und verenden. Die Frontosas, auch Tanganjika-Buckelkopfcichlide genannt, erreichen eine Endgröße von bis zu 40 cm. Hiervon hatte er nur 2 Tiere verkauft bekommen. Diese Tiere würden irgendwann alles auffressen was ins Maul paßt. Zudem hält man diese stets in einer Gruppe. Die Karbonathärte und der pH-Wert muß zudem bei diesen deutlich höher sein wie bei anderen Barschen. Fehler über Fehler!
Nein, es war noch nicht alles, ich sollte noch weiter überrascht werden. In diesem Becken schwammen auch Kugelfische (Brackwasser und sehr agressiv), Haiwelse (bis 35 cm Endgröße) und weitere Unikate. In einem langen und intensiven Gespräch klärte ich den jungen Mann über die ganzen Tiere auf die man ihm "angedreht" hatte. So wie das Becken zu diesem Zeitpunkt besetzt war, würde ich ihm keine weiteren Tiere verkaufen. Erst müßten alle Fische die in einem Malawibecken nichts zu suchen hatten raus. Zudem sollte er dann die Entscheidung treffen ob nun vegetarische oder räuberische Malawis halten wollte.
* Ebenfalls im letzten Winter brachte mich eine Kundin zum staunen: Ihre Aquarien machten immer wieder unerklärliche Probleme. Fische starben, Wasser wurde manchmal trüb und Algen wuchsen. Nachdem wir ihr anboten eine kostenlose Wasseranalyse zu machen gab es ein erschreckendes Ergebnis. Die Wasserwerte ließen es kaum noch vermuten das darin Tiere überleben konnten. Mich wunderte dies da die junge Frau eigentlich den Eindruck machte als wenn diese alles macht um das Wasser in ihrem Sinne perfekt hin zu bekommen. Dann kamen wieder tollste Märchen zu Tage. In einer alt eingesessenen hiesigen Zoohandlung gab man der Frau folgende Anweisungen: Wasserwechsel alle 6 Monate und ansonsten verdunstetes Wasser auffüllen, Filter jede Woche reinigen, Zur Nitratentfernung Aktivkohle verwenden. Das waren Aussagen die ich nur schwer glauben konnte. Wenn dies zutraf, könnte man ja fast schon von Betrug am Kunden sprechen. Zum Thema Wasserwechsel gehen wir in diesem Text noch später ein. Aber Aktivkohle und Nitratfilterung? Das war totaler Unsinn! Ich klärte die Frau auf und ab da funktionierte es.
· Anfang 2005 trug man mir das finde ich schlimmste zu das ich in meiner Laufbahn als Aquarianer gehört habe: Ein 17-jähriger Schüler mit Spaß an Fischen wollte mit einem Aquarium anfangen. Ebenfalls wieder im Kreis Altenkirchen verkaufte man diesem dann sein 54 Liter Aquarium. Es handelte sich hier um ein Seewasserbecken. Die Fische und das gesamte Innenleben gab`s sogar schon direkt beim Kauf des Beckens mit dabei. Bis dato war ich auf dem Wissensstand das ein Meerwasseraquarium erst einmal mindestens 3 Monate einlaufen muß bis das die ersten niederen Tiere eingesetzt werden können. Fische eigentlich auch erst nach 5-6 Monaten. Hm, neuerdings geht das anscheinend schon am ersten Tag alles in einem. Einfach nur Betrug und Tierquälerei finde ich!
Nicht nur das man den Schüler ins kalte Wasser geworfen hat, sondern vor allem weil es sich hier immer noch um Tiere handelt. Noch nicht einmal nötige Ratschläge zum Thema Salzgehalt und Eiweißentfernung hatte man ihm gegeben. Vom Überbesatz des kleinen Beckens eh zu schweigen. Macht man so etwas aus Unwissenheit oder aus Vorsatz? Sind denn Tiere nur noch Ware?
· Sehr häufig erleben wir die Problematik von wild zusammengewürfelten Fischzusammenstellungen. Der eine frißt den anderen auf. Totaler Überbesatz, Wasser- und Algenprobleme. Wird in Zoohandlungen eigentlich noch qualifiziert beraten oder einfach nur gefangen und eingepackt? Diese Frage stellt sich sehr häufig.
Fish and More erhebt den absoluten Anspruch, Aquarianern und Gartenteichliebhabern stets die Fachberatung zu bieten um den Tieren auch in Gefangenschaft ein artgerechtes Umfeld zu bieten. Sofern unsere Kunden ihre Probleme und Fragen an uns heran tragen sind wir immer in der Lage zum Funktionieren des Hobbys beizutragen. Es kommt nicht selten vor das wir unseren Kunden Dinge ausreden womit sich diese selbst schaden würden - oft natürlich auf Kosten des Umsatzes. Doch wovon hat man mehr? Von einem kurzfristig gutem Geschäft oder von einem langjährig zufriedenen, treuen Kunden dessen Fische ihm immer Freude bereiten? Ab und zu lehnen wir sogar den Verkauf von Fischen ab, wenn wir merken das die Tiere Schaden nehmen würden oder vom Käufer nicht vernünftig behandelt werden. Dies trifft natürlich nicht auf Verständnis. Doch damit kann Fish and More besser leben als mit der Aussage "Wer hat Dir denn den Mist verkauft? Hm, das war bei Fish and More."
Service, Dienstleitung und die qualifizierte Beratung heben ein Aquaristik- und Gartenteichfachgeschäft vom Zoohandel ab. Wir freuen uns immer wieder wenn zufriedene Kunden uns dies bestätigen. Fish and More ist durch das breite Tätigkeitsfeld und das sicherlich gute Image Partner von großen, rennomierten Unternehmen wie z.B. Möbel Zimmermann, BEST Carwash, Autohäusern, öffentlichen- und sozialen Einrichtungen und zahlreicher Firmen.
Ich möchte nun gerne näher auf die Ursachen der gängigsten Probleme bei Aquarien eingehen. Die oben genannten Erlebnisse einiger Kunden sowie die in der Einleitung aufgeführte Problematik führ ja leider nicht selten zur Aufgabe dieses eigentlich so schönen Hobbys. Da dies sehr umfangreich ist folgt immer nur eine Kurzbeschreibung. Auf der Homepage findet man zu weiteren Problemen noch mehr Texte. Ansonsten gilt immer die Regel: Bei Problemen stets eine Wasserprobe (mindestens 200ml) zum analysieren im Geschäft bei uns abgeben und Ratschläge einholen. Dieser Service ist kostenlos.
Algenprobleme: Schmieriger Belag auf dem Kies, braune und grüne Scheiben, dunkelgrüne Büschel auf Pflanzenspitzen, Steinen, Wurzeln und sogar auf der Scheibe haben sicher schon jeden Aquarianer zum Verzweifeln gebracht. Diese Probleme sind aber stets hausgemacht und lassen sich immer beheben. Als Faustformel gilt ein 14-tägiger Wasserwechsel von mindestens 30 %, Austausch der Leuchtmittel nach maximal einem Jahr (bei HQL schon nach 6 Monaten), regelmäßiger Check von Nitrat und Phosphat, viele Pflanzen im Becken, algenfressende Fische. Zu diesem umfangreichem Kapitel sollte man sich früh genug bei uns informieren da wenn man zu lange zuschaut beim Algenwuchs es bie zu 3 Monaten dauern kann bis diese wieder weg sind.
Krankheiten: Krankheiten entstehen immer ausgelöst durch Streß, Mangelerscheinungen, falsche Ernährung. In den seltensten Fällen durch das klassische "Einschleppen" (außer wenn im Verkaufsbecken schon eine sichtliche Krankheit ausgebrochen ist). Eine abwechslungsreiche Ernährung von mindestens 3-5 Futtersorten und die Zugabe von Vitaminen und Spurenelementen sind die beste Abwehr gegen Krankheiten. Denn ein Fisch dessen Imunsystem intakt ist, muß nicht unbedingt selbst im Falle eines Einschleppens an diesen Erregern erkranken.
In jedem Aquarium, auch im eigenen Becken zu hause findet sich eine Vielzahl von Keimen und Krankheitserregern. Allerdings brechen diese fast nie aus solange es den Pfleglingen gut geht. Problematisch wird es erst, wenn Neulinge ins Becken gesetzt werden. Bedingt durch das Fangen, Einpacken, Transportieren und Umsetzten in ein neues Umfeld mit anderen Wasserwerten greift fast immer die körpereigene Abwehr der neuen Tiere an.
In diesem Moment haben im Becken befindliche Keime und vor allem Parasiten die Chance die neuen Fische zu befallen und es kommt zum eigentlichen Krankheitsbild. In den meisten Fällen kann hier dem Aquariengeschäft kein Vorwurf gemacht werden. Vorrausgesetzt die Fische wurden in reinem Sauerstoff eingepackt damit die Tiere keinen Sauerstoffmangel während des Transportes erleiden.
Ein gewissenhaftes Geschäft erkennt man an der Art, mit welcher Luft die Tüte zugemacht wird. Es soll ja sogar vorkommen das die Tüten mit dem Mund aufgepußtet werden oder mit normaler Raumluft verpackt werden. Dies müßte gesetztlich geregelt werden.
Leider wird hier oft auf Kosten der Tiere gespart. Zudem dürfen keine Fische aus mehreren Becken in eine Tüte gepackt werden. In jedem Becken sind andere Wasserwerte zu finden und indem diese Tiere erst in der Tüte und dann auch noch einmal beim Käufer zuhause in andere Wasserwerte gesetzt werden, kann dies einmal zuviel sein. Das macht nicht jeder Fisch mit.
Leider werden oft auch Tiere mit minderem Gesundheitszustand verkauft. Man denke hier an das Beispiel 10 Neons für 3,99 EUR wovon den nächsten Tag nur noch ein bruchteil lebt. Muß man solche Dinge unterstützen? Letztendlich sollte sich jeder Kunde der Verantwortung bewußt sein die er beim Kauf von Tieren, nicht nur bei Fischen, trägt.
Pflanzen: Pflanzen werden gelb, verfaulen, werden löcherig. Bei einer guten Düngung bestehend aus zumindest Tabletten und Flüssigdünger und der Zugabe von CO2 und natürlich ausreichender Beleuchtung sollte diese Problematik nicht mehr bestehen. Wie auch zu der Algenproblematik sollte man hier stets nachfragen. Es gibt auch Pflanzen die sich untereinander nicht vertragen oder bestimmte Temperaturen und Wasserwerte benötigen. Lassen Sie sich auch hier von uns detailliert beraten.
Abschließend möchte ich noch einmal betonen das ich es schade finde das Aquarianer bedingt durch falsche Beratungen die Freude an ihrem Hobby verlieren. Leider gibt es beim Verkauf von Tieren, vor allem bei Fischen so gut wie keine Kontrollen. Die Tiere sind in der Regel dem Handel ausgeliefert und werden weltweit Jahr für Jahr zu tausenden (Die genaue Zahl möchte sicher niemand genau wissen - dies währe sicher depremierend.) bedingt durch falsche Hälterung, mangelnde Kenntnisse in den Bereichen Wasserchemie, Krankheiten und Ernährung schlichtweg "umgebracht".
Für mich als Händler der dies auch als sein Hobby ansieht wünsche ich mir das der Zoohandel nicht noch weiter rückwärts geht und sich mehr für artgerechte Haltung und vor allem vernünftige, ehrliche Beratung einsetzt.
Unterstützen Sie daher als Aquarianer engagierte Unternehmen die in Ihren Augen vernünftig mit der Welt der Aquaristik umgeht.
Fish and More wird sicherlich auch in den nächsten Jahren immer mehr vor allem im Bereich Beratung und Service in seine Kunden investieren - auch mit dem Ziel den von der Branche absolut vernachlässigte Nachwuchs zu fördern und neue Menschen für Zierfische zu begeistern.
Dieser Bericht stammt aus dem Jahr 2005 und ist sicherlich inhaltlich auch noch in den nächsten Jahren ganz aktuell!
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